Bücherregal bauen

Bücherregal bauen aus Rohren

司書 Shisho – „The Librarian“ – Ein Bücherregal im Industrial Design bauen

In diesem Beitrag zeige ich euch, wie ihr Step-by-Step ein eigenes Bücherregal bauen könnt. Das schicke Industrial Design bekommt das Regal durch rustikale Eichenbohlen und Stahlrohre, aus denen der Rahmen gefertigt wird.

Seitdem ich mit A zusammen lebe, hat sich einiges verändert. Das erste Mal ertappe ich mich dabei, wie ich unsere gemeinsame Wohnung “Zuhause” nenne. Das klingt jetzt vielleicht nicht besonders, aber seit ich nach der Schule aus dem Haus meiner Eltern ausgezogen bin, habe ich an verschiedenen Orten gewohnt – und keiner war so richtig “Zuhause”. Zuhause ist eben nicht nur ein Ort, es sind vor allem die Menschen, die es mit Leben füllen. Und manchmal eben auch mit ein klein wenig Chaos. Es gibt kaum Dinge, die ich am Zusammenleben mit meinem liebsten Literaturwissenschaftler verändern würde. Wirklich.

Aber da ist die Sache mit den Büchern.

Naturgemäß liebt mein Boy als Literatur-Nerd seine Bücher und schon sein 11qm Studentenzimmer war bis zur Decke mit Büchern gefüllt. Als wir zusammengezogen sind, mussten die natürlich alle mit und waren – in diverse Umzugskartons verpackt – der Grund meines ersten Bandscheibenvorfalls. Kein Scherz. Inzwischen ist der Bücherberg stetig gewachsen und die Bücherregale unserer Wohnung an den Rand ihrer Kapazitäten. Aus diesem Grund ist das Projekt “司書 Shisho” mehr oder weniger aus der Not geboren. Platz ist in unserer Wohnung leider Mangelware und ein weiteres Bücherregal passte einfach nicht rein, daher musste ein neues her. Und wo kämen wir denn hin, wenn ich hier einfach eines bestellen würde? 😉

Der große Vorteil von DIY? Ihr könnt ein Bücherregal bauen ganz nach euren Vorstellungen!

Und ich hatte sehr genaue Vorstellungen: Es sollte deutlich höher als das bisherige Regal werden, um die Deckenhöhe im Altbau optimal auszunutzen, außerdem etwas breiter und weniger tief, um trotzdem die Tür noch weit genug öffnen zu können. Weil ich Industrial Design bei Bücherregalen sehr mag, war auch schnell klar, dass Stahl und Holz meine Wunsch-Materialien sind. Und dann wurde es etwas schwierig: Weil ich mir leider (noch) nicht zutraue, mit der Flex und einem Schweißgerät zu arbeiten, waren viele Konzepte für den Stahlrahmen schnell verworfen. Dazu kam, dass ich gerne ein Bücherregal bauen wollte, das sich bei einem Umzug noch einmal zerlegen lässt und das man nicht in einem Stück durchs Treppenhaus wuchten muss (Stichwort: Bandscheibenvorfall).

Die Customized-Lösung: Stahlrohre aus Temperguss

Nach einiger Pinterest- und Baumarkt-Recherche habe ich die Lösung gefunden: Stahlrohre aus Temperguss mit Gewinde. Die gibt es in verschiedenen Längen und so vielen Gewindeteilen, dass sich damit eigentlich (fast) jede Idee umsetzen lässt. Noch ein großer Vorteil ist, dass sich das Ganze bei Bedarf auch modular erweitern lässt. Wer weiß, wie viele Bücher mein liebster A noch anhäufen möchte… Dann kam der Tricky Part – der erste von vielen: Ich habe eine Skizze angefertigt und ausgerechnet, wie viele Rohre in welchen Längen und mit welchen Verbindungsstücken ich brauchen würde. Nachdem ich auch endlich das passende Holz  (Douglasie mit einer schicken Baumkante) für die Regalbretter gefunden hatte, habe ich alles bestellt und mich auf die Lieferung gefreut. Die Ernüchterung kam beim Auspacken meiner Pakete: Das Holz kam gar nicht erst an und beim probeweisen Zusammenschrauben der ersten Teile für den Stahlrahmen des Bücherregals war schnell klar: Das wird so nix! In meinem Planungs- und Bestellwahn hatte ich leider ein paar logische Denkfehler gemacht. Damit euch das nicht genauso geht, falls ihr euch entschließt, auch mal so ein Regal selbst zu bauen – gleich zu Beginn ein wichtiger Hinweis:

Denkt unbedingt an die passenden Verschraubungen für geschlossene Rohrkreise!

“Rohr-was? Was ist denn ein Rohrkreis?”

… Werdet ihr euch jetzt fragen und ich kann es euch nicht verübeln. Der Begriff ist schließlich auch etwas irreführend, denn ihr wollt ja kein kreisförmiges Regal bauen. Das vermute ich jedenfalls. 🙂 Gemeint ist natürlich auch kein Kreis, sondern ein geschlossenes System. Ein geschlossener Rohrkreis besteht also immer dann, wenn Rohre so miteinander verbunden werden, dass keine Seite offen bleibt. Bei einem Viereck, gebildet aus Rohren, wäre das beispielsweise der Fall. Und da ich geplant hatte, das Gerüst für das Bücherregal – vereinfacht gesagt – aus zwei Leitern zu bauen, die mithilfe von Querstangen verbunden werden, stand ich vor einem Problem. Um die Rohre miteinander verschrauben zu können, fehlten mir spezielle Verschraubungen.

Warum? Wenn ihr versucht, vier Rohre miteinander zu verschrauben, werdet ihr feststellen, dass das letzte Gewinde in die falsche Richtung dreht. Eigentlich ist das auch ganz logisch: Dreht man bei feststehenden Verschraubungen links ein, dreht man rechts automatisch heraus. Die Lösung sind spezielle Fittings (Verschraubungen), die auf das letzte – eigentlich rechtslaufende Gewinde – aufgeschraubt werden und dann als linkslaufendes Gewinde frei liegen. Das könnt ihr dann ganz einfach mit dem standardmäßig rechtslaufenden Innengewinde eures Winkelstücks oder T-Stücks verbunden werden können. Wenn ihr jetzt einen Knoten im Kopf habt: Das Ganze könnt ihr euch im Grund vorstellen wie einen Adapter bei der Steckdose.

Ein Chaosprojekt mit Happy End

Für mich hieß das jetzt: Ich musste noch einmal bestellen – und zwar sowohl die Fittings als auch neues Holz. Nach längerem Suchen hatte ich tolle Eichenbohlen mit Baumkante entdeckt, die auch superschnell geliefert wurden. Wer von euch allerdings schon mal mit Blockware gearbeitet hat, weiß: Die Holzbretter sind nie ganz gleich! Das macht natürlich den Charakter des Holzes aus, hieß aber in meinem Fall auch: Die Bretter passten nicht auf meine Konstruktion. Wie ihr in der Skizze seht, wollte ich ursprünglich mit einem Forstnerbohrer Löcher in die Holzbretter bohren, um die Rohre durchzuschieben und so zu befestigen. Die Idee musste ich leider verwerfen, weil einige der Eichenbohlen nicht breit genug waren. 🙁

Weil das Holz aber wirklich schön war und ich zum Zeitpunkt des Auspackens bereits acht schwere Eichenbohlen in den vierten Stock gewuchtet hatte, habe ich mich nach einem kleinen Wutausbruch dazu entschlossen, die Bretter zu behalten – und noch einmal umzudenken. Ich habe also die Breite der Rohre, auf denen die Bretter aufliegen, mit weiteren Fittings vergrößert und die Bretter von unten mit Rohrschellen verschraubt. Am Ende habe ich natürlich auch noch feststellen müssen, dass das Ganze Konstrukt durch die vielen Gewinde- und Verbindungsstücke viel zu hoch geworden ist (Ausmessen war noch nie meine große Stärke) und ich nur sieben der acht Eichenbretter verbauen konnte. Ein Chaosprojekt von vorne bis hinten! Mit dem achten Brett fange ich aber auch noch etwas Schönes an – stay tuned! 😉 

Wenn ihr erfahren wollt, wie ich das ganze Chaos doch noch in ein echt schickes Bücherregal verwandelt habe und wie auch ihr das Bücherregal bauen könnt, geht’s jetzt endlich los mit der Schritt-für-Schritt-Anleitung!

Step-by-Step-Anleitung für ein Industrial Bookshelf:

Was ihr braucht:

  • 7 Holzbohlen mit Baumkante, 120 cm Länge, 25-30 cm Breite
  • Stechbeitel
  • Exzenterschleifer mit gröberem und feinerem Schleifpapier
  • Flambierbrenner (optional)
  • Holz-Pflegeöl oder Holz-Lasur
  • Pinsel
  • Handschuhe
  • Rohrzange
Materialfür das DIY Bücherregal

Schritt 1:

Zuerst geht es den Holzbohlen an den Kragen oder vielmehr der Baumkante. Ich habe sie mit einem Stechbeitel abgetragen, was sehr gut funktioniert hat. An der ein oder anderen Stelle kann die Rinde etwas härter sein oder ihr müsst noch etwas mehr Holz abtragen – da könnt ihr euch zusätzlich einen Hammer zur Hilfe nehmen und den Stechbeitel wie einen Meißel verwenden. Wenn das geschafft ist, geht es ans Schleifen. Mit einem Exzenterschleifer und einem etwas gröberen Schleifpapier-Aufsatz schleift ihr das Brett einmal rundherum ab – besonders die Baumkante kann anfangs noch sehr rau und splittrig sein. Hier müsst ihr sorgfältig schleifen, dann wird sie schön glatt. Danach geht ihr noch einmal mit einem feineren Schleifpapier-Aufsatz über das Holzbrett.

Jetzt kommt der etwas schönere Teil, der Feinschliff der Optik. Um den Holzbrettern noch etwas mehr Struktur und Charakter zu geben, habe ich mich entschieden, sie stellenweise mit einem Flambierbrenner zu flammen. Dieser Schritt ist optional, probiert vielleicht erst einmal an einem alten Stück Holz aus, ob euch das gefällt. Falls ja, könnt ihr vorsichtig mit der Gasflamme über das Holz gehen und an einigen Stellen die Maserung richtig schön hervorholen. Dann noch mit einem Pinsel ein Pflegeöl oder eine Holz-Lasur auftragen – fertig! 

Tipp:

Die abgetragene Rinde könnt ihr super als Mulch für eure Pflanzen nutzen!

Bücherregal bauen

Schritt 2: 

Eure Holzbohlen sind wunderschön geschliffen und geölt – jetzt geht es an’s Bücherregal bauen! Zuerst müsst ihr euch um das Gerüst aus Stahlrohren für das Regal kümmern. Arbeitet jetzt unbedingt mit Handschuhen und am besten auch mit einer Unterlage für den Boden, denn es kann sein, dass die Stahlrohre ganz schön abfärben. Der Grund dafür ist, dass sie meistens mit einem Korrosionsschutz für den Transport überzogen sind, der leider anfangs schwarz abfärbt. Irgendwann habt ihr das mit euren Handschuhen weitgehend abgetragen, was dann noch übrig ist, könnt ihr mit einem fusselfreien Lappen abwischen. So müsst ihr euch keine Sorgen machen, dass die Rohre Wände oder Bücher einfärben.

Und: Arbeitet beim Bücherregal-Bauen am besten zu zweit! Gerade beim Aufstellen des Regals ist das sinnvoll, weil das Stahlgerüst ziemlich schwer werden kann. Grundsätzlich werdet ihr auch feststellen, dass ihr das Gewinde der Rohre nie komplett eindrehen könnt. Das liegt an der konischen Form, tut aber der Stabilität in der Regel keinen Abbruch. Wenn ihr das Ganze ordentlich handfest anzieht und eventuell hier und da noch einmal mit der Rohrzange nachzieht, hält das bombenfest.

Wir sind so vorgegangen, dass wir zunächst die beiden “Leitern”, die die Seitenwände des Regals bilden, zusammengeschraubt haben. Und zwar haben wir dafür zuerst eine Art “halbe Leiter” gebaut: Wir haben die Rohre für die langen Seitenteile (Achtung Nerdwissen: Diese werden bei einer Leiter “Holme” genannt) mithilfe von T-Stücken aneinander geschraubt. Nur bei der ersten Sprosse unten verwendet ihr kein T-Stück, sondern die entsprechenden T-Verteiler mit vier Ausgängen, damit hier später das lange 1 m Rohr für die Querverbindung eingeschraubt werden kann. Ganz oben schließt ihr mit einem Winkelverteiler mit drei Ausgängen ab und ganz unten schraubt ihr einen Möbelfuß an. Jetzt kommen die Sprossen dazu, also die Rohre, auf denen ihr später die Regalbretter auflegt und mit Rohrschellen verschraubt. Schraubt die Rohre jeweils in die offenen Ausgänge der T-Stücke ein und setzt auf das Ende jedes Rohrs eine Verschraubung für einen Rohrkreis. Nur so bekommt ihr die Leiter später zusammengesetzt.

Schritt 3:

Jetzt baut ihr die andere “Hälfte” der Leiter, die im Grunde nur aus einem langen Stab, also einem Holm besteht. Dafür verbindet ihr wieder die entsprechenden Rohre mit den T-Stücken bzw. Verteilern. Und zwar symmetrisch zu dem anderen Holm, ist ja klar. Ganz oben schraubt ihr hier allerdings eine Wandflansche für die Befestigung an der Wand an. Jetzt müsst ihr nur noch die beiden Leiter-Hälften an den Verschraubungen für den Rohrkreis miteinander verbinden. Das allerdings ist leichter gesagt als getan. Ihr müsst alles so anlegen, dass es passt und dann möglichst parallel sukzessive die Verschraubungen festdrehen. Am besten dreht ihr erst einmal alles ganz leicht fest und helft dann noch einmal mit einer Rohrzange nach. Bei uns hat es bei einer Seite super geklappt, bei der anderen war es ein Albtraum. 

Stahlrahmen für Bücherregal bauen

Mein Tipp:

Wenn es zu schwierig ist, schraubt eure Leiter-Hälften lieber in zwei Teilen: Also zuerst vier Sprossen, dann die anderen vier. Anschließend verbindet ihr in der Mitte mit Verschraubungen. So haben wir es später gemacht und festgestellt, das es deutlich einfacher ist. Hierfür benötigt ihr allerdings vier Verschraubungen für geschlossene Rohrkreise mehr (diese Zahl ist in der Materialliste in Klammern angegeben)!

Wenn ihr nun eine Stahlleiter fertig gebaut habt, wiederholt ihr das selbe Spiel für die andere Seite auch, sodass ihr am Ende zwei Leitern habt, die sich gegenüberstehen.

Schritt 4:

Ihr müsst nun die beiden Leitern mit den langen 1 m Rohren miteinander verbinden. In meiner Konstruktion habe ich für mehr Stabilität unten zwei Rohre eingeplant, oben hingegen wegen der Wandbefestigung nur eines vorne. Schraubt die Rohre zunächst an einer Seite in die entsprechenden Winkelverteiler ein und setzt dann (wegen des geschlossenenen Rohrkreises unten) an jedem Rohrende wieder eine Verschraubung auf. Jetzt legt ihr die andere Leiter gegenüber hin und zwar so, dass die langen Rohre mit den Verschraubungen genau auf den entsprechenden Winkelverteiler passen. Dann müsst ihr das Ganze wieder sukzessive zusammenschrauben. Da es hier nur drei Stellen sind, wo ihr gleichzeitig schrauben müsst, geht das jetzt deutlich leichter. Und dann habt ihr es geschafft! Das Gerüst für euer Regal ist fertig und ihr könnt es vorsichtig aufstellen.

Schritt 5:

Wenn euer Regal nun aufgestellt ist, müsst ihr es noch mit der Wandflansche oben an der Wand befestigen. Dafür zeichnet ihr die Bohrlöcher für die Dübel an, baut mit dem entsprechenden Bohrer vor und setzt dann Dübel ein. Jetzt könnt ihr die Wandflansche und damit auch das Regal an der Wand verschrauben. Falls ihr auch in einem Altbau wohnt und eure Wände so schief sind wie bei uns, kann es sein, dass ihr für die Befestigung der Wandflansche noch einen Abstandshalter braucht. 

Schritt 6: 

Jetzt könnt ihr die Holzbretter auf die Sprossen legen und euch entscheiden, wie sie final liegen sollen. Das zeichnet ihr am besten dann einmal auf den Brettern an und schraubt sie dann – mithilfe der Rohrschellen und passenden Holzschrauben – von unten auf den Sprossen fest. Ich habe mich für nur eine Rohrschelle pro Seite entschieden, ihr könnt für mehr Stabilität natürlich auch zwei nehmen. Und jetzt tretet einen Schritt zurück und bewundert euer Werk! 🙂

Ich gebe zu: Ein Bücherregal bauen ist ein etwas fortgeschrittenes DIY-Projekt. Aber die Mühe lohnt sich! Es gibt wohl kaum ein besseres Gefühl, als das eigens gebaute Bücherregal mit Büchern zu befüllen und dann das erste Shelfie zu machen. 😉

Habt ihr schon einmal etwas mit Temperguss-Rohren gebaut oder vielleicht sogar dieses Projekt nachgebaut? Ich freue mich über eure Erfahrungen in den Kommentaren!

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