Japanischen Kimono nähen

Kimono selbst nähen

贈り物 Okurimono „The Gift“: So könnt ihr einen einfachen, japanischen Kimono selbst nähen – perfekt als Geschenk

In dieser Schritt-für-Schritt-Anleitung zeige ich euch, wie ihr einen japanischen Kimono selbst nähen könnt. Dazu benötigt ihr nicht einmal ein Schnittmuster, denn der Schnitt ist sehr unkompliziert. Ein optimales DIY-Projekt für Anfängerinnen und Anfänger!

Der Sommer ist für mich immer ein echter Geburtstagsmarathon – in einer Tour haben liebe FreundInnen und Familienmitglieder Geburtstag. Das bedeutet auf der einen Seite jede Menge schöne Feiern im Freien, auf der anderen Seite aber auch ein bisschen Geschenkestress… Oft muss dann eine spontane Geschenk-Idee her, weil die eine Geburtstagsfeier gerade vorbei, die nächste aber bereits vor der Tür steht. So war es auch in diesem Jahr wieder, als mir im August siedend heiß einfiel, dass der Geburtstag einer lieben Freundin kurz bevor steht und ich dringend eine tolle Last-Minute-Idee brauche, die aber nicht nach Last-Minute aussieht…

Zum Glück hatte ich einige Tage vorher im Stoffladen meines Vertrauens gestöbert und mal wieder etwas über die Stränge geschlagen mit meiner Auswahl an Stoffen. Meistens kaufe ich Stoffe schon mit einer konkreten Idee, was ich damit nähen möchte, aber dann gibt es eben auch diese “Der-muss-auch-noch-mit-irgendwas-werde-ich-damit-schon-anfangen”-Stoffe. Die, die mich einfach mit einem tollen Muster in Versuchung bringen oder der Klassiker: Die Stoffe, von denen nur noch ein Reststück da ist. So geschehen auch bei diesem wunderschönen, dunkelblauen Baumwollstoff mit Koi-Muster, von dem ich die letzen zwei Meter ergattern konnte.

Ein bisschen Nerd-Wissen zum Koi gefällig?

Der Koi-Karpfen hat als Symbol in der japanischen Kultur eine sehr hohe Bedeutung. Wusstet ihr, dass es eine uralte Geschichte gibt, derzufolge der erste Sohn des Philosophen Konfuzius von einem Herzog einen bunten Karpfen geschenkt bekam? Und dass nach einer Legende ein Koi einen Wasserfall bezwungen hat und danach als Drache in die Lüfte flog? Tatsächlich schwimmen Kois flussaufwärts gegen den Strom – ähnlich wie Lachse – und geben nicht auf, auch wenn sie auf Hindernisse stoßen. Wegen dieser Geschichte und der Symbolkraft des Kois, dem man enorme Stärke, Beharrlichkeit, Ausdauer und Erfolg zuschreibt, werden Kois als Geschenk sehr geschätzt.

Ideale Voraussetzungen, um den Koi-Stoff in ein besonderes Last-Minute-Geschenk zu verwandeln, findet ihr nicht? Und was bietet sich bei einem Stoff, der mit so einem symbolträchtigen japanischen Tier bedruckt ist, mehr an, als einen Kimono selbst nähen? Das Schöne beim Kimono-Selbst-Nähen ist, dass ihr dafür – wie bei meinemプロテクターPurotekutā „The Protector“ DIY-Mundschutz – kein Schnittmuster braucht und auch nicht unbedingt die Kleidergröße des Beschenkten, da einfache Kimonos meist OneSize sind. Dieser Kimono passt einer Kleidergröße 36 bis minimal 40 – möchtet ihr ihn größer machen, ist das aber auch kein Problem. Auch bei der Länge könnt ihr euch theoretisch austoben und den Kimono nach Belieben länger machen. Mir waren leider Grenzen gesetzt, da es ja nur noch zwei Meter von dem schönen Koi-Stoff gab. Besonders viel Beharrlichkeit und Ausdauer braucht ihr beim Nähen zum Glück auch nicht, denn der Kimono ist wirklich schnell fertig. Last-Minute eben.

Kimono nähen Schnitt

Was ihr braucht:

  • rund 2 m festen Baumwollstoff mit mindestens 140 cm Breite
  • farblich passendes Garn
  • 2x 1 m Kordel (oder ihr erstellt eine eigene Kordel aus dem Stoff)

Schritt 1:

Schneidet den Stoff entsprechend der Skizze zu und erstellt dann die Kordel aus dem Stoff, sofern ihr keine Extra-Kordel verwenden möchtet. Dafür schneidet ihr zweimal ein 3 cm breites und 1 m langes Stück Stoff und klappt es in der Mitte zusammen, sodass die langen Seiten aufeinander liegen und die schöne Seite außen ist. Jetzt einfach noch einmal zusammen klappen und entlang der offenen Kante absteppen – fertig! Das ist die Last-Minute-Version für eine Kordel. Wenn ihr etwas mehr Zeit habt, könnt ihr natürlich auch das Band etwas breiter zuschneiden (ca. 5-6 cm), rechts auf rechts entlang der langen Seite zusammennähen und dann wenden.

Schritt 2:

Versäubert möglichst alle Außenkanten der Stoffteile mit einer Overlock oder einer anderen Methode. Legt jetzt die zwei Vorderteile rechts auf rechts auf das Rückenteil und steckt beide Teile an den Schultern zusammen. Schließt die Schulternähte mit 1 cm Nahtzugabe und bügelt die Nahtzugabe auseinander. 

Schritt 3:

Legt die Ärmel rechts auf rechts zusammen und steckt sie dann an den Seiten fest. Achtet dabei darauf, dass die Mitte der Ärmel genau auf der Schulternaht aufliegt. Näht die Ärmel mit 1 cm Nahtzugabe fest. Wenn ihr einen sehr festen Stoff verwendet, könnt ihr zusätzlich die Nahtzugabe etwas einschneiden, damit die Ärmel lockerer fallen. Bügelt die Nahtzugabe dann in den Ärmel.

Kimono selbst nähen

Schritt 4:

Steckt jetzt die beiden Vorderteile an den Seiten rechts auf rechts auf dem Rückenteil fest und legt dabei auf einer Seite eure Kordel etwa in der Mitte der Seitennaht ein. Schließt die Seitennähte auf beiden Seiten mit 1cm Nahtzugabe und bügelt die Nahtzugabe auseinander.

Kimono selbst nähen

Schritt 5:

Jetzt kommt der Kragen dran: Näht die beiden Teile für den Kragen rechts auf rechts aufeinander und bügelt die Nahtzugabe ordentlich auseinander. Jetzt faltet ihr den Stoff in der Mitte, sodass die langen Seiten links auf links aufeinander liegen. Bügelt das Stoffteil so einmal fest und klappt dann die äußeren Seiten noch einmal zur Mitte und bügelt sie fest. Legt die obere Kante des Kragens rechts auf rechts an der oberen Kante des Ausschnitts des Kimonos an. Achtet dabei darauf, dass die Nahtzugabe des Kragens auf der Mitte des Rückenteils aufliegt. Beginnt in der Mitte des Rückenteils damit, den Kragen rundherum entlang des Ausschnitts festzustecken und näht das Ganze knappkantig fest.

Jetzt faltet ihr den Kragen auf die linke Seite des Kimonos und zwar so, dass die untere Kante des Kragens mit der oberen Kante des Kimonos abschließt. Steckt rundherum auf der linken Seite fest und näht das Ganze wieder knappkantig ab. 

Kimono selbst nähen

Schritt 6:

Ihr müsst nun nur noch den Saum und die Ärmelsäume versäubern. Schlagt beides dazu zweimal 1,5 cm nach innen und steckt die Säume fest. Näht die Säume knappkantig fest und dann ein weiteres Mal 0,5 cm von der ersten Naht entfernt für einen sauberen Abschluss. Jetzt seid ihr fertig und könnt euer Last-Minute Geschenk, den 贈り物 Okurimono „The Gift“ Kimono, verpacken oder euch entschließen, ihn ganz einfach selbst zu behalten. 😉

Einen Kimono selbst nähen ist wirklich ganz einfach und das Tolle ist, das man ihn super variieren kann. Ein anderes Stoffmuster auswählen oder die Länge des Kimonos oder der Ärmel anpassen – euch sind hier wirklich keine Grenzen gesetzt! Viel Spaß beim Ausprobieren und vielleicht auch beim Verschenken!

Selbstgenähter Kimono
DIY Japanischer Kimono

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