Work Jacket Selbst Naehen

Work Jacket nähen

Mit diesen Tipps klappt’s garantiert!

ハスラー Hasurā “The Hustler”

Eine Work Jacket oder Pilotenjacke selbst nähen – kein ganz einfaches Projekt… In diesem Beitrag teile ich eine tolle Anleitung mit euch und verrate euch ein paar Tipps und Tricks, die euch das Nähen erleichtern sollen.

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Ich gebe es zu: Selbstüberschätzung ist mein zweiter Vorname! A hat sich eine Work Jacket gewünscht – aus Cord sollte sie sein, mit hellem Plüsch gefüttert, so wie die Pilotenjacken aus den Siebzigern und so richtig schön Oversize… Größenwahnsinnig, wie ich nun mal bin, dachte ich mir: “Klar, das krieg’ ich hin!” und habe mir gleich die Stoffe geholt. Einen tollen dunkelblauen Cord, kuscheligen hellen Teddyplüsch und für die Ärmel einen glatten Stoff mit Leinenoptik, damit man mit den Armen in die Jacke schnell rein- und rausschlüpfen kann.

Nach einem kleinen Realitätscheck habe ich dann allerdings festgestellt, dass es bei diesem Projekt doch angebracht wäre, eine Anleitung zu Rate zu ziehen. Und so habe ich Pinterest & Co. durchstöbert auf der Suche nach einem passenden Schnitt – fündig wurde ich auf dem tollen Blog von Grainline Studio! Dort gibt es ein “Sew Along” zu der Thayer Jacket, die meiner Vorstellung von einer Work Jacket schon sehr nah kam. Natürlich gibt es dort auch das Schnittmuster, das man sich als pdf-Datei herunterladen und ausdrucken kann. Wenn euch die Jacke also gefällt und ihr auch eine Work Jacket nähen möchtet, kann ich euch das Schnittmuster von Grainline Studio wärmstens ans Herz legen. 

Die Tipps im zugehörigen Blogartikel zur Thayer Jacket sind auch extrem hilfreich, allerdings ist das “Sew Along” natürlich in englischer Sprache geschrieben. Vielleicht geht es euch wie mir und ihr steigt bei Fachbegriffen in Nähanleitungen regelmäßig aus – “Nahtschatten”, “Einreihen” oder “Verstürzen”… What?! Ganz ehrlich, schon in deutschsprachigen Anleitungen verstehe ich hier oft nur Bahnhof. Ist das Ganze englischsprachig, ist es komplett vorbei. Deshalb habe ich mir überlegt – ergänzend zu dem großartigen “Sew Along” zur Thayer Jacket von Grainline Studio – ein paar Tipps mit euch zu teilen, wie ihr die Jacket meistern könnt.

Work Jacket nähen - Material

Was ihr braucht:

  • Schweren, festen Stoff wie Cord oder Twill für die Jacke
  • Kuscheligen Stoff wie Teddyplüsch oder Flanell für das Jackenfutter
  • Einen festen, glatten Stoff wie Viskose oder Polyester für den Innenstoff der Ärmel
  • Knöpfe, passendes Nähgarn, eine stabile Nähnadel (90 oder 100)

Tipp 1: Die Sache mit dem Fadenlauf – Was muss ich beim Zuschneiden beachten?

Euch kann ich es ja sagen: Beim Zuschneiden der Work Jacket habe ich schon den ersten Fehler gemacht. Ich arbeite nicht allzu häufig mit Cordstoffen und wer sich ein bisschen besser mit Stoffen auskennt, der weiß sofort, dass es superwichtig ist, bei Cord den Fadenlauf zu beachten… Ich weiß, ich weiß – echte Näherinnen und Näher werden jetzt sagen, es ist bei JEDEM Stoff ultrawichtig, den Fadenlauf zu beachten, aber jetzt mal ehrlich: Wem fällt das bei einem Leinenstoff schon auf, wenn die Ärmel beispielsweise entgegen dem Fadenlauf zugeschnitten werden? Also mir jedenfalls nicht…

Beim Cordstoff hingegen kann ich euch sagen: Es fällt auf. Leider. Wenn ihr mit der Hand über einen Cordstoff streicht, legen sich die feinen Stoffhaare an und lassen den Stoff heller erscheinen; Wenn ihr in die andere Richtung streicht, stellen sich die Haare auf und der Stoff wirkt dunkler. Deshalb ist es so wichtig, dass ihr eure Schnittteile für die Work Jacket wirklich so auflegt, wie in der Anleitung von Grainline Studio beschrieben – so stellt ihr sicher, dass der Fadenlauf einheitlich ist und die Work Jacket später 1 A aussieht!

Ob ihr es so haltet, dass der Stoff sich glatt legt, wenn ihr beim Tragen der Work Jacket an euch herunter streicht oder sich aufstellt, ist übrigens Geschmackssache. Ich habe es so umgesetzt, dass sich der Stoff beim Streichen glatt legt, weil ich es von der Haptik her schöner finde, aber Profis sagen meist, man sollte es umgekehrt machen, damit die Farbe des Stoffes besser zur Geltung kommt. Probiert es einfach aus und entscheidet selbst!

Work Jacket nähen

Tipp 2: Was ist eigentlich dieses Topstitching?

In dem Sew Along im Blog von Grainline Studios gibt es einen Beitrag mit praktischen Tipps zum Topstitching. Wenn ihr euch fragt, was damit eigentlich gemeint ist: Topstitching wird im Deutschen meistens übersetzt mit “Absteppen”: Gemeint ist damit eigentlich eine Ziernaht, also eine Nähtechnik, bei der die Nahtlinie eine eher dekorative Funktion hat. Sie ist von der Außenseite des Kleidungsstücks sichtbar, ihr habt das sicher schon bei Jeans gesehen. Deshalb nimmt man beim Topstitching gerne ein kontrastierendes Nähgarn, das auf dem Stoff auch sichtbar ist. Das Garn darf gerne etwas fester sein, damit die Naht lange hält und nicht aufreißen kann. Superwichtig ist beim Topstitching, dass die Naht schön gerade ist und am Anfang und Ende der Naht keine Knubbel sichtbar sind.

Ein guter Tipp ist deshalb, die Naht nicht – so wie ihr es sicher gewohnt seid – mit ein paar Stichen vor- und zurück zu verriegeln, sondern einfach geradeaus zu nähen und darauf zu achten, den Faden beim Abschneiden etwas länger zu lassen. So könnt ihr ihn easy mit einer Nadel auf die Rückseite ziehen und dort mit einem Doppelknoten schließen. Den übrigen Faden schneidet ihr dann einfach ab – dank dem Knoten hält die Naht bombenfest und sieht schön sauber aus. Ich finde es beim Topstitching außerdem schöner, die Stichlänge etwas größer einzustellen, als sonst üblich. 

Tipp 3: Vertraut auf die Anleitung!

Beim Nähen braucht man manchmal eine ganz gehörige Portion Vertrauen – glaubt mir, ich weiß, wovon ich spreche! Oft genug sitze ich vor einem Projekt oder einer Anleitung und kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass die Teile jetzt wirklich so zusammengenäht werden sollen. Meistens rufe ich dann A mit meinem Standardsatz: “Du musst mir beim Denken helfen!” – und meistens lacht er mich dann aus und sagt: “Da kann ich dir auch nicht helfen, das weißt du selbst am besten…” Und manchmal fange ich dann wild an zu googeln und finde in jeder Step-by-Step-Anleitung eine andere Vorgehensweise. Spätestens dann bin ich vollends verwirrt und verliere viel Zeit, bis ich mich endlich traue, weiterzumachen.

Deshalb mein Tipp: Lasst euch nicht verunsichern, vertraut im Zweifel auf die Anleitung, die ihr habt! Wie sagt man so schön: Alle Wege führen nach Rom. Beim Nähen ist das… ähem… zumindest ähnlich. Es gibt (fast) immer mehrere Wege, um ans Ziel zu kommen, ihr müsst euch eben nur für einen entscheiden.

Warum erzähle ich euch das?

Beim Nähen der Work Jacket gibt es diesen Punkt, wo ihr die Innenjacke und die Außenjacke zusammenfügt – und zwar mit dem Bund zuerst. Moment mal – mit dem Bund zuerst?! Japp, genau das dachte ich auch. Schließlich sagen geübtere Näherinnen und Näher eigentlich, dass man immer, wirklich immer von oben nach unten nähen sollte. Also mit dem Kragen beginnen und dann nach unten nähen. Denn wenn es am Bund nicht passt, kann man hier immer noch korrigieren.

Das ist richtig, aber bei der Work Jacket ist es ein Problem, wenn ihr zuerst am Kragen zusammen nähst, denn – Achtung, Spoiler – durch diesen wird die Work Jacket später gewendet! Und: Es funktioniert! Wirklich wahr. Wenn ihr das jetzt immer noch mit einer skeptisch hochgezogenen Augenbraue lesen solltet, rate ich euch: Steckt das Innen- und das Außenteil zunächst nur lose am Kragen mit Stecknadeln zusammen und prüft dann, ob am Bund alles passt. Falls nicht, könnt ihr jetzt noch einmal korrigieren und dann: Tief durchatmen und der Anleitung vertrauen!

Jetzt seid ihr dran – näht eure eigene Work Jacket!

Wenn ihr jetzt Lust habt, die Work Jacket zu nähen, kann ich euch nur sagen: Go for it! Das Schnittmuster von Grainline Studio ist super und mit ihrem Sew Along und den zusätzlichen Tipps solltet ihr gut gewappnet sein, um das Projekt zu schaffen. Es ist zugegebenermaßen ein etwas aufwendigeres Projekt – Ich habe beim Nähen noch etwas mehr geflucht als sonst… Aber ich war auch unglaublich stolz, als die Hasurā “The Hustler” Work Jacket dann endlich fertig war und die Jacket wird von A heiß und innig geliebt! Es war also jede abgebrochene Nadel im Stoff wert!
Ich wünsche euch ganz viel Spaß und freue mich – wie immer – über Kommentare!

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